Frankfurter Rundschau, 21. November 2001

Deutsch-russische Vereinigung verleiht der "Fledermaus" frische Farbe

Experten der Bad Homburger Produktionsfirma bibo tv restaurieren Operettenfilm mit Johannes Heesters

"Die Fledermaus" sollte das deutsche Publikum zum Kriegsende für einen kurzen Kino-Moment in eine beschwingte Operettenwelt entführen. Doch der Farbfilm mit Johannes Heesters in der Hauptrolle hatte damals einen schweren Start - und drohte Jahrzehnte später für immer im Rotstich zu versinken. Aus zwei mangelhaften Kopien zaubert die Bad Homburger Produktionsfirma bibo tv jetzt eine frische neue.

 
BAD HOMBURG. Wie so viele falsch gelagerten Filme verlor das Zelluloid der "Fledermaus" zusehends an Farbenpracht: Der Gesangsfilm über Liebe und Maskenbälle nach der Operette von Johann Strauß rauschte, knisterte immer mehr und reduzierte sich auf einen rotstichigen Streifen, der für das Fernsehen untauglich war. In einer seltenen Rettungsaktion wird der Film nun in Bad Homburg mit Hilfe digitaler Techniken restauriert. "Der Film war eigentlich in einem erbärmlichen, ja jämmerlichen Zustand", berichtet Hans-Wolfgang Jurgan, Geschäftsführer der ARD/Degeto (Frankfurt), die für die ARD Filme einkauft. Der in der Endphase des Krieges in Prag zu Ende gedrehte Film (Regie: Geza von Bolvary) ist ein sogenannter Überläuferfilm: Noch in der Nazi-Zeit abgedreht, in Bunkern deponiert und erst nach Kriegsende fertig geschnitten und aufgeführt, fiel der Film den sowjetischen Besatzern in die Hände.

Als die Degeto 1984 die TV-Rechte an der "Fledermaus" erwarb und den Film im Fernsehen einem Sechs-Millionen-Publikum zeigte, war der Sehgenuss stark beeinträchtigt. Doch dann kam im einstigen Filmarchiv der DDR in Berlin eine Kopie mit russischen Untertiteln zum Vorschein. Ein Dreierbündnis fand sich für die Rettung zusammen: die in Wiesbaden ansässige Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung als Lizenzinhaberin, die ARD/Degeto als Lizenznehmerin und die Postproduktionsfirma bibo tv mit ihren Experten für die digitale Nachbearbeitung von Filmen.

"Es war eine Schnapsidee", erinnert sich Werner Bibo, der Geschäftsführer. Der von der DDR archivierte "Fledermaus"-Film war ebenfalls in schlechter Verfassung, doch hatten sich die Originalfarben noch nicht völlig verflüchtigt. "Aus zwei mangelhaften Kopien galt es, mit digitaler Technik eine neue, bessere herzustellen", berichtete ARD/Degeto-Verantwortlicher Marc Schröder auf dem Filmfachkongress "eDIT", der am Dienstagabend in Frankfurt zu Ende ging.

Bild für Bild wurde das unterschiedliche Material zusammengebracht, Schrammen, Schmutz und anderes mühsam per Computer bereinigt, flackernde rötliche Grauwerte "beruhigt", um sie dann mit den Farben aus der DDR-Kopie Bildelement für Bildelement wieder aufzupeppen. "Die Charakteristik eines alten Filmes sollte aber nicht abhanden kommen", sagt Bibo. Am Ende sind dann noch zehn bis fünfzehn Minuten pro Bild nötig, um die russischen Untertitel wegzuretuschieren.

Drei, vier Monate werden die Bad Homburger Fachleute noch benötigen, um "Die Fledermaus" wieder für eine Fernsehausstrahlung hergerichtet zu haben. Seit einem halben Jahr sind sie schon am Werk. Welche Kosten sich die Beteiligten teilen müssen, wissen sie noch nicht.

Bei der "Fledermaus" wollen sich alle besonders ins Zeug legen: Denn es gilt, den bald 98-jährigen Heesters mit der neuen Kopie zu erfreuen. "Ich hoffe, ich mache das noch mit. Ich bin der einzige von damals, der den Film dann noch erleben darf", sagt der Schauspieler.

Von Markus Elsner, dpa

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